Damwild: Papillomaviren-Erkrankungen in Schleswig-Holstein?

Letztes Jahr erreichten uns nach unserem Aufruf vermehrt Meldungen von verendeten bzw. krank erlegten Damhirschen mit blumenkohlartigen Geschwüren an den Pinselspitzen. Diese Symptomatik wurde begleitet durch eine massiv gefüllte Blase. Das auf dem Foto unten dokumentierte Krankheitsbild erinnert an die vom Menschen bekannte Blumenkohlpeniserkrankung, die durch Humane Papillomaviren (HPV) verursacht und i.d.R. durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. Bis zum Ausbruch der Krankheit beim Menschen können bis zu 8 Monate vergehen. Wir wissen von Pferden, dass Papillomaviren die ihnen oft zugesagte Wirtsbindung längst nicht immer einhalten, so wird z. B. die Sarkoidose der Pferde durch Bovine Papillomaviren ausgelöst. Bei der Untersuchung erkrankter Stücke sollte daher unbedingt auf angemessene Hygienemaßnahmen geachtet werden. Eine eindeutige Diagnose kann nur durch eine histologische Untersuchung von Schnitten unter dem Mikroskop getroffen werden.

Pinsel mit Geschwulst aus der Segeberger Heide, 04.11.2023 (Foto Jana Forstreuter)

Wenn Sie ein Stück Schalenwild mit derartigen krankhaften Veränderungen schon einmal erlegt haben oder von so einem Fall Kenntnis haben, wären wir für Nachricht darüber mit entsprechendem Fotomaterial dankbar.

Sollten Sie so ein Stück erlegen oder von der Erlegung erfahren, so informieren Sie bitte unverzüglich hierüber ihre zuständige Kreisveterinärbehörde. Zur Sicherung der Probe entnehmen Sie bitte unter Beachtung von Hygienemaßnahmen die Brunftrute und kühlen diese bis zur Weitergabe an die Veterinärbehörde (bitte nicht einfrieren). Bitte entnehmen Sie bei Gelegenheit auch eine Schweißprobe für eine zusätzliche Untersuchung auf Blauzungenkrankheit, die losgelöst von den vorgenannten Symptomen untersucht werden sollte.

Planung von Bewegungsjagden und Wildbretverwertung: In betroffenen Revieren sollte eine bewusste Abwegung stattfinden, ob Bewegungsjagden durchgeführt werden sollen. In jedem Falle sollte sich ein Bild über den gesamten Bestand gemacht werden. Bei der Durchführung von Bewegungsjagden sollte besonders auf kranke Stücke geachtet werden. Eine Weitergabe des Wildbrets ist im Einzefall zu prüfen. Im Zweifel sollte eine fleischhygienische Untersuchung stattfinden, wenn das Stück verwertet werden soll.

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