Brut- und Setzzeit: Die Natur hält sich an keinen Kalender

Mit dem Frühjahr beginnt vielerorts die sogenannte Brut- und Setzzeit. Häufig wird dafür der Zeitraum vom 1. März bis 15. Juli genannt. Doch zumindest in Schleswig-Holstein gibt es keine starr festgelegte Frist. Der Grund: Die Natur folgt keinem Kalender. Witterung und Lebensbedingungen bestimmen, wann heimische Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen. In diesem Jahr setzte beispielsweise das Schwarzwild, also unsere heimischen Wildschweine, bereits im Januar Frischlinge. Gleichzeitig kümmern sich Feldhase, Wildkaninchen oder Rothirsch noch lange nach Mitte Juli um ihre Jungtiere. Deshalb ist es entscheidend, das ganze Jahr über Rücksicht zu nehmen und die Lebensräume der Tiere zu respektieren.

Ob im Bau, im Nest, in Baumhöhlen, im dichten Wald oder sogar am Wegesrand und im Vorgarten, Jungtiere nutzen unterschiedlichste Orte als Kinderstube. Viele Arten setzen dabei auf eine bewährte Strategie: ducken, tarnen, still verharren. Junghasen verschmelzen dank ihrer Fellzeichnung nahezu mit der Umgebung. In den ersten Lebenswochen sind sie zudem fast geruchlos. Bei Gefahr bleiben sie reglos liegen, während die Häsin nur zum Säugen während der Dämmerung oder während der Nacht zurückkehrt. Wer ein scheinbar verlassenes Jungtier entdeckt, sollte deshalb Abstand halten und es höchstens mit dem Fernglas beobachten. Gut gemeinte „Rettungsaktionen“ führen leider häufig dazu, dass gesunde Tiere unnötig in Auffangstationen landen. Besteht tatsächlich der Verdacht auf eine Verletzung, sind Jäger, Förster oder Falkner die richtigen Ansprechpartner.

Spaziergänger, Jogger oder Radfahrer tragen eine besondere Verantwortung. Untersuchungen zeigen, dass Wildtiere Menschen eher tolerieren, solange diese auf den ausgewiesenen Wegen bleiben. Abseits der Pfade jedoch geraten viele Tiere in Stress, Jungtiere können von ihren Eltern getrennt werden. Zudem sind Nester oder gut getarnter Nachwuchs kaum zu erkennen. Ein unachtsamer Schritt kann also fatale Folgen haben. Wer die Natur genießt, sollte daher konsequent auf den Wegen bleiben und Rückzugsräume respektieren.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch mitgeführten Hunden. Während der Brut- und Setzzeit sollten Vierbeiner stets im Einflussbereich ihrer Halter bleiben und angeleint werden. In Wäldern besteht ganzjährig eine Leinenpflicht. Freilaufende Hunde können Jungtiere aufscheuchen oder gefährden und sich selbst in riskante Situationen bringen. Gerade Wildschweinbachen verteidigen ihre Frischlinge energisch. Eine solche Begegnung kann mit Verletzungen für den Hund und unter Umständen auch für den Menschen enden.

Auch im eigenen Garten lässt sich ein Beitrag zum Artenschutz leisten. Hecken, Sträucher und Bäume dienen vielen Vogelarten als geschützter Nistplatz. Arten wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle oder Grasmücke bauen dort ihre Nester und ziehen ihren Nachwuchs groß. Wer in der Brutzeit auf starke Rückschnitte verzichtet, erhält wichtige Lebensräume und schützt brütende Vögel vor Störungen. Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit ermöglichen so einen unbeschwerten Naturbesuch im Einklang mit den heimischen Wildtieren.

 

Der Beitrag Brut- und Setzzeit: Die Natur hält sich an keinen Kalender erschien zuerst auf Landesjagdverband Schleswig-Holstein e.V..

Weitere Beiträge

Aus dem Landesverband

Landesparcoursschießen 2026: Jetzt anmelden

Einladung zur Niederwildjagd – Jetzt anmelden zum Landesparcoursschießen 2026 Das Landesparcoursschießen „Flinte“ findet am Sonnabend, 19. September, sowie am Freitag, 25. September, und Sonnabend, 26. September 2026, auf dem Schießstand Hasenmoor/Hartenholm statt. Die Teilnehmenden absolvieren 60 jagdliche Situationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, die einer Niederwildjagd nachempfunden sind. Zugelassen sind Jägerinnen und Jäger mit gültigem Jagdschein und nachgewiesener LJV-Mitgliedschaft. Das Startgeld beträgt 45 Euro und gilt als Reuegeld. Meldeschluss ist Donnerstag, 27. August 2026. Zugelassen ist ausschließlich bleifreies Schrot bis 28 Gramm;

Weiterlesen »
Aus dem Landesverband

Landesbläserwettbewerb 2026: Die Ergebnislisten sind online

Beim Landesbläserwettbewerb 2026 am Sonntag, 14. Juni 2026, auf Gut Basthorst sind rund 800 Jagdhornbläserinnen und -bläser in verschiedenen Wertungsklassen angetreten, darunter auch mehrere Jugendgruppen. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein e. V. (LJV) hat den Wettbewerb gemeinsam mit der Kreisjägerschaft Herzogtum Lauenburg e. V. ausgerichtet. Die Veranstaltung zählt zu den größten jagdmusikalischen Wettbewerben im Norden und verbindet musikalischen Anspruch mit jagdlichem Brauchtum und einem vielfältigen Familienprogramm. Der Landesbläserwettbewerb zeigte einmal mehr, wie lebendig jagdliches Brauchtum in Schleswig-Holstein ist. Besonders erfreulich ist die

Weiterlesen »
Aus dem Landesverband

Wurfzeit im Wattenmeer: Abstand schützt Seehund-Nachwuchs

In Schleswig-Holstein hat die Zeit des Seehund-Nachwuchses begonnen. Die Hauptgeburtszeit reicht von Anfang Juni bis Mitte Juli. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein e. V. (LJV) ruft Erholungssuchende und Strandgäste in dieser Phase zu besonderer Rücksicht auf. Denn Störungen an den Wurfplätzen können dazu führen, dass Jungtiere von ihren Müttern getrennt werden und als sogenannte Heuler auf menschliche Hilfe angewiesen sind. Als Heuler werden junge Seehunde bezeichnet, die in den ersten Lebenstagen bis zu einem Alter von vier bis sechs Wochen über längere

Weiterlesen »