Aktuelle Wolfssichtungen im Kreis Plön

Aktuell kommt es vermehrt zu Wolfssichtungen im Kreis Plön.

Dazu erschien am 11.02.2025 der folgende Artikel in den Kieler Nachrichten:

Plön/Mielkendorf.
Das Bild lässt fast keinen Zweifel zu: Ein Wolf ist am Sonntag in Plön unterwegs gewesen. Das Tier wurde um 0.52 Uhr zwischen den Bahnschienen und Ascheberger Parkplatz von einer Wildkamera aufgenommen. Ein weiterer Wolf wurde im Eidertal von einem Jogger gesichtet.
Hans Michaelis, der Jagdausübungsberechtigte der Stadtjagd Plön, hatte die Kamera aufgehängt und ist sich so gut wie sicher: „Was soll es sonst für ein Tier sein?“, fragte er. Aber woher kommt jetzt plötzlich dieser Wolf? Auf dem Foto ist nicht zu erkennen, ob es sich um einen Rüden oder eine Fähe handelt.
„Möglicherweise stammt das Tier aus dem Segeberger Forst. Es ist Ranzzeit. Wenn es ein männliches Tier ist, muss er sich jetzt ein neues Revier suchen, weil der Leitrüde ihn vertrieben hat“, sagte Claus-Henrick Estorff, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Plön und Wolfsberater.
Das Wolfspaar im Segeberger Forst hat im vergangenen Jahr acht Welpen und im Jahr zuvor sechs bekommen. Mit der Paarungszeit wird es für den Nachwuchs im Rudel enger. Die Alphatiere vertreiben die heranwachsende Konkurrenz um die Fortpflanzung.
Estorff vermutet, dass der Wolf entlang der Bahngleise aus Richtung Ascheberg nach Plön gekommen ist. „Er hat wohl den Schienenbereich kontrolliert, denn dort kann er Nahrung finden“, erklärte der Wolfberater. Die Gründe: Zum einen werfen Reisende Lebensmittelreste aus den Fenstern, die kleineres Getier wie beispielsweise Mäuse anlocken. Das sehen Raubvögel und Füchse, die sich darauf stürzen.
Leise Akkuzüge sorgen
für Tierkadaver
Oft werden dann Bussard, Milan, Habicht und Fuchs Opfer der leisen Akkuzüge, weil die Tiere je nach Windrichtung das Nahen der Triebwagen einfach nicht hören. Auch andere Tiere werden überfahren. Diese Erfahrung hat der schlaue Wolf gemacht und patrouilliert entlang der Strecken, um einfach an Nahrung zu kommen. Doch auch Wölfe wurden schon von Zügen erfasst. In Nordamerika ist das ein großes Problem – aber auch in Niedersachsen kam es in der Vergangenheit bereits vor.
Estorff denkt nicht, dass der Wolf in Plön heimisch wird. Aus Richtung Ascheberg stellt sich Plön wie ein Trichter dar, denn auf der eine Seite ist der Große Plöner See, auf der anderen der Kleine Plöner See. „Wenn es sich um einen unerfahrenen Jungwolf handelt, dann zieht der nicht weiter durch die Stadt und geht auch nicht ins Wasser, weil es zu kalt ist.“ Die Gegend sei für das Tier ungeeignet. „Der Wolf wird wohl weiterziehen, sich anderswo ein Revier suchen und eventuell dort sogar eine Fähe finden“, sagte Estorff.
Es ist möglicherweise der erste Wolf, der so dicht am besiedelten Bereich der Kreisstadt Plön gesichtet wurde. Vor Jahren gab es bereits Verdachtsfälle in Plön und Ascheberg. Laut Estorff, aber keine Nachweise. 2022 wurden in Löptin tote Schafe auf einer Koppel entdeckt. Ob ein Wolf die Tiere gerissen hat, konnte damals nicht geklärt werden. Anders sieht es im Eidertal bei Kiel aus. Dort will ein Jogger am Sonntagmorgen einen Wolf gesehen haben. In direkter Nachbarschaft zum Freilichtmuseum Molfsee hat es vor Jahren bereits einen nachgewiesenen Riss an einem Schaf gegeben.
Zuerst habe der Jogger, der namentlich genannt werden möchte, das Tier noch für einen Schäferhund gehalten, aber dann habe er schnell bemerkte, dass das Tier für einen normalen Hund viel zu groß sei. Also streife möglicherweise ein Wolf im Eidertal umher.
Bereits in der vergangenen Woche waren Spuren eines Wolfes viel deutlicher in der Nachbargemeinde Mielkendorf zu sehen: Dort wurde ein gerissenes Damwildkalb auf der landwirtschaftlichen Fläche von Bürgermeister Thorsten Bentzien gefunden.
Bentzien informierte Jagdpächter Moritz Rohweder, der sich selbst ein Bild vor Ort machte. „Der typische Kehlbiss war erkennbar, der Brustkorb war weit aufgerissen und aufgefressen“, so Rohweder. Für ihn gibt es keine Zweifel: „Ich gehe davon aus, dass das Tier von einem Wolf gerissen wurde.“
DNA-Probe wurde in
Mielkendorf nicht genommen
Rohweder informierte über die Hotline für Wolfsmanagement die zuständigen Wolfsbetreuer und sendete Fotos von dem gerissenen Tier. „Leider hatte niemand mehr Zeit, um eine DNA-Probe zu nehmen“, fügt Rohweder hinzu.
Der Fall in Mielkendorf ist kein Einzelfall: Nach den Schafsrissen im Bereich Nortorfer Land werden derzeit mindestens sechs weitere Risse durch das Senkenberg-Institut beprobt.
Dazu gehören zwei Wildtierrisse aus dem Bereich Boostedt-Rickling vom 7. Januar, ein Wildtierriss aus Itzehoe-Land vom 13. Januar, ein weiterer Wildtierriss aus dem Nortorfer Land vom 14. Januar sowie ein Schafsriss vom 18. Januar.

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